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"Alles unter einen Hut bekommen" am 02.11.2018

Foto: pixabay

Warendorf, 16.11.2018: „Alles unter einen Hut bekommen“ oder „Wie gehe ich mit dem Marmeladenglas um“? Unter diesem Motto stand das Seminar für Selbsthilfe-Aktive, das am 2. November in den Räumlichkeiten der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Warendorf stattfand. Einigen der vierzehn Teilnehmenden war der Selbsthilfe-erfahrene Seminarleiter Klaus Vogelsänger bereits aus dem letzten Jahr bekannt, und wie bereits 2017 erlebten die Selbsthilfe-Aktiven eine spannende und intensive Veranstaltung.

Neugierig geworden, was sich hinter dem Marmeladenglas verbirgt? Dann lesen Sie nachfolgend den Bericht einer Teilnehmerin, die in sehr anschaulichen und offenen Worten den Tag beschreibt – vielen Dank dafür!

Der Bericht:

"Alles unter einen Hut bekommen - unterschiedliche Wünsche, Erwartungen und andere Herausforderungen in der Selbsthilfe-Gruppenarbeit"
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… unter diesem Motto steht ein Seminar, dass am 02.11.2018 von Herrn Klaus Vogelsänger geleitet wird. Als Teilnehmer der Veranstaltung gebe ich diesem Seminar einen anderen Titel und möchte heute von meinen persönlichen Erfahrungen berichten:

„Alles unter einem Hut …………….. oder wie gehe ich mit dem Marmeladenglas um?“

Alles unter einen Hut, was bedeutet das? Passt alles unter den Hut, muss der Hut grösser sein oder müssen es mehrere Hüte sein? Das sind die Fragen, die wir uns heute stellen.

Der Stuhlkreis ist gebildet und Klaus Vogelsänger eröffnet die Runde. Noch sind wir etwas gehemmt. Was wird uns erwarten, was sind die Probleme der anderen Gruppen? Es sind Vertreter der Selbsthilfegruppe „Depressionen“, „Tinnitus“, „Behinderte Menschen“, „Hörgeschädigter“, wie soll das denn werden? die Vertreter der Gruppe Menschen mit Sehbehinderung „Voice over“, kann man ein Seminar ohne Augenlicht verfolgen? „Chronische Schmerzen“ und „Rheuma Liga“.

Nach kurzer Vorstellungsrunde und der Tatsache, dass sich mit einem „DU“ einfacher reden und arbeiten lässt, fallen die Spannungen und es kann losgehen.

Eindrücke und Möglichkeiten für den persönlichen und vertrauensvollen Austausch finden sich in kleinen Gesprächsgruppen und im großen Stuhlkreis. Schnell stellen wir fest, dass die Probleme in den Gruppen oftmals gleich sind. Einige wenige in den Gruppen arrangieren sich, einige lassen sich einfach nur treiben, hören zu. Hier sind die Hüte gefragt. Diejenigen, die sich einbringen und ihre Aufgabe ernst nehmen, wird der Hut oftmals zu eng. Oder mögen sie einfach keine Aufgaben abgeben? Fühlen sie sich in ihrer Aufgabe sehr wohl? Oder gibt es auch andere Gruppenmitglieder, die gerne Aufgaben übernehmen? Jedes Gruppenmitglied hat andere Fähigkeiten und Talente. Warum nicht Aufgaben abgeben, Aufgaben verteilen, so dass sich jeder optimal einbringen kann.

Einige Gruppen haben hier schon ihre Erfahrungen gemacht. Gruppengründer verlassen die Gruppe, die Gruppe soll weiter Bestand haben. Es muss ein Neuanfang geschaffen werden. Hier kann es entsprechend der persönlichen Lebenssituation der Gruppenmitglieder sein, Aufgaben zu verteilen. Hierbei sollten jedoch Wünsche und Fragen der Mitglieder berücksichtigt werden.

Neuorientierungen erfordern immer Arbeit, ein dynamischer Prozess in jeder Gruppe. Veränderungen können auch eine neue Lebendigkeit bringen.

Die Herausforderungen in der Gruppe können sehr vielschichtig sein:

- Menschen ausbremsen (Umgang mit Konflikten, „Problemfällen“ in der Gruppe)
- Den Hut des „Bremsens“ zu tragen
- Am Telefon oder in der Beratung Grenzen setzen
- Gruppenrhythmus überdenken (14-tägig, einmal im Monat)

Ein großes Problem, dass in allen Gruppen ganz egal welcher Art, auftrifft, ist der Umgang mit schwierigen Menschen, Menschen, die das Gespräch an sich ziehen, keine Rücksicht kennen. Menschen, die die Gruppe in Situationen bringen, in denen es schwierig wird. Wer fühlt sich verantwortlich, die Vertreter der Gruppen, die Gruppe allgemein?

Klaus Vogelsänger möchte uns zu einem Rollenspiel anregen. Seine Devise, niemand muss spielen. Schnell sind jedoch „Spieler“ gefunden. Jetzt ist Kreativität angesagt. Gespielt werden soll ein „nerviges“ Gruppenmitglied in der Gruppenstunde. Die Spieler verlassen den Seminarraum und legen die Rollen fest. Nach kurzer Zeit kommen wir mit unseren Regieanweisungen in den Raum zurück.

Das Spiel kann starten, Klaus zieht den Vorgang auf. Das Stück mit dem Namen „Alles unter einem Hut oder das Marmeladenglas“ kann starten.

Hier ein kleiner Auszug:

Nerviges Gruppenmitglied: „Könnt ihr euch vorstellen, was mir heute passiert ist? Zuerst ist mir das Marmeladenglas runtergefallen, ausgerechnet mit der Erdbeermarmelade und dann und dann und dann …….“

Moderation: „ Ist denn heute auch noch etwas anderes passiert?“

Nerviges Gruppenmitglied: „Ich bin doch noch gar nicht fertig, nach dem Marmeladenglas wurde ja alles noch schlimmer, …….“

Gruppenmitglied: „Meinst Du nicht, andere hätten auch noch etwas zu erzählen?“

Nerviges Gruppenmitglied: „Aber ich bin doch noch gar nicht fertig, es war ja nicht nicht das Marmeladenglas, nein, ihr könnte euch gar nicht vorstellen, was noch alles passierte …!“
                                             
Nachdem die ersten Dialoge gesprochen sind, wird es einfacher und das Gespräch läuft wie alleine. Es waren unsere Erfahrungen
live. Die Zuschauer lachen und sehen sich in unserem Spiel in ihren Gruppen wieder. An dem Applaus gemessen, sind die Zuschauer zufrieden und die Spieler freuen sich. Das zeigt einmal mehr, dass ein Seminar auch ganz viel Stoff zum Lachen bringt. Lachen ist gesund und macht bekanntlich glücklich.

Jetzt hatten sich alle eine Stärkung verdient. Hier hatte man reichlich mit Gebäck, Getränken, Kaffee und Tee und Pizza vorgesorgt.
Schnell wurden die Tische zusammengestellt und mit einem „Guten Appetit“ startet das Abendessen.

Nach dem Abendessen wird die Situation, die gerade gespielt wurde, diskutiert. Was haben wir gesehen, was haben wir gefühlt? Klaus fragt, wir antworten, fragen, machen Vorschläge zur Lösung der Probleme, wenden ein, wechseln den Blickwinkel usw.

Einig sind wir uns, eine Patentlösung gibt es nicht. Wir bekommen Anregungen, tauschen uns aus, sprechen von unseren Erfahrungen. Können wir etwas besser machen? Wie wäre ein Glöckchen zur Unterbrechung eines Störenfrieds oder einen Stein, den der Sprechende hält und weiter gibt? Hier muss jede Gruppe in ihrer Gruppe individuell handeln.

Langsam neigt sich der Nachmittag dem Ende. Mitgenommen haben wir ganz viel…
Erfahrungen, Neugier, ausgetauschte Adressen und das gute Gefühle sich Hilfe beim Paritätischen Verein holen zu können, wenn es mal zwickt in der Gruppe.
Erfahrungen, das Menschen mit Sehbehinderung an Seminaren und Rollenspielen und Hörgeschädigte mit Dolmetscher sich an Unterhaltungen beteiligen können.

Für uns alle eine tolle Erfahrung.

Ein großer Dank geht an die Paritätischen Verein für die super Organisation und das leibliche Wohl und an Klaus, der trotz seines „sich nicht ganz wohl fühlen“ uns in unseren Aufgaben in unseren Gruppen stärkt und unterstützt.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

Hier ein paar Eindrücke:

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